Was sind Ganzjahresreifen?
Ganzjahresreifen — auch Allwetterreifen oder Allseasoner genannt — sind Reifen, die für den Einsatz in allen vier Jahreszeiten entwickelt wurden. Sie vereinen Eigenschaften von Sommer- und Winterreifen in einem einzigen Produkt: eine Gummimischung, die sowohl bei Sommerhitze weich genug für guten Grip als auch bei Winterkälte nicht zu hart wird.
Im Gegensatz zu Saisonreifen muss man Ganzjahresreifen nie wechseln — sie bleiben das ganze Jahr über auf dem Fahrzeug. Das spart Aufwand, Kosten für die zweite Reifengarnitur und Lagerraum.
Ganzjahresreifen vs. Saisonreifen: Der direkte Vergleich
Die zentrale Frage: Kann ein Reifen wirklich in beiden Extremen funktionieren? Ja — aber mit Einschränkungen. Ein Ganzjahresreifen ist kein perfekter Sommer- und kein perfekter Winterreifen. Er ist ein sehr guter Kompromiss.
| Eigenschaft | Ganzjahresreifen | Sommerreifen | Winterreifen |
|---|---|---|---|
| Nässehaftung Sommer | ◐ Gut | ✓ Sehr gut | ✗ Mäßig |
| Traktion bei Schnee | ◐ Gut | ✗ Ungeeignet | ✓ Sehr gut |
| Kurvengrip bei Wärme | ◐ Befriedigend | ✓ Ausgezeichnet | ✗ Schlecht |
| Verhalten unter 7 °C | ✓ Geeignet | ✗ Ungeeignet | ✓ Optimal |
| Reifenwechsel nötig | ✓ Nein | ✗ Ja (2× pro Jahr) | ✗ Ja (2× pro Jahr) |
| Kraftstoffverbrauch | ◐ Etwas höher | ✓ Optimal | ✗ Höher |
| Gesamtkosten (5 Jahre) | ✓ Oft günstiger | ◐ Mittel | ◐ Mittel |
Vor- und Nachteile von Ganzjahresreifen
Vorteile
- Kein Reifenwechsel zweimal jährlich
- Keine Lagerungskosten für zweiten Satz
- Winterreifenpflicht erfüllt (mit Alpine-Symbol)
- Spontan reisefertig bei Wetterüberraschungen
- Gesamtkostenvorteil bei niedrigen Jahreskilometern
- Gut für Zweitfahrzeuge und Stadtfahrer
Nachteile
- Kein Optimum in Extremsituationen (tiefer Schnee, Hochsommer)
- Höherer Kraftstoffverbrauch als Sommerreifen
- Höherer Reifenverschleiß wegen ganzjährigem Einsatz
- Längerer Bremsweg bei >20 °C vs. Sommerreifen
- Für Sportwagen und sportliches Fahren nicht ideal
- Begrenzte Auswahl in großen/breiten Dimensionen
Für wen lohnen sich Ganzjahresreifen?
Die ehrliche Antwort hängt von deiner Fahrsituation ab. Ganzjahresreifen sind die richtige Wahl, wenn diese Punkte auf dich zutreffen:
- Weniger als 20.000 km/Jahr: Wer wenig fährt, profitiert vom eingesparten Wechselaufwand und amortisiert die leicht höheren Kosten schneller.
- Stadtfahrten in milden Regionen: Im Flachland mit milden Wintern (Rheinland, Ruhrgebiet, Küstenregionen) sind Ganzjahresreifen völlig ausreichend.
- Zweitauto oder Seltenfahrer: Wer ein Auto nur gelegentlich nutzt, hat keinen Nerv für zweimal Reifenwechsel im Jahr.
- Kein Lagerplatz: Ohne Garage oder Keller sind Ganzjahresreifen praktisch unverzichtbar.
Erkennungsmerkmale: So erkennst du echte Ganzjahresreifen
Nicht jeder Reifen mit der Aufschrift „All Season" ist wirklich für Winter zugelassen. Achte auf diese Kennzeichnungen auf der Reifenflanke:
- Alpine-Symbol (3PMSF): Ein Bergpiktogramm mit Schneeflocke. Nur dieses Symbol erfüllt seit 2024 die Winterreifenpflicht in Deutschland. Pflicht für alle Ganzjahresreifen, die auch im Winter legal genutzt werden sollen.
- M+S: Steht für „Mud and Snow" — Schlamm und Schnee. Diese Kennzeichnung allein reicht seit 2024 nicht mehr für die Winterreifenpflicht. Viele Ganzjahresreifen tragen beide Symbole.
- DOT-Nummer: Die letzten 4 Ziffern geben Herstellungswoche und -jahr an (z.B. 1224 = Woche 12, Jahr 2024). Reifen älter als 6 Jahre sollten ersetzt werden.
Ganzjahresreifen testen: Was ADAC & Stiftung Warentest sagen
In aktuellen Vergleichstests landen Ganzjahresreifen der Premium-Klasse regelmäßig auf einem soliden Niveau. Aktuelle Tests von ADAC und Stiftung Warentest zeigen:
- Premiumhersteller (Michelin CrossClimate, Continental AllSeasonContact, Goodyear Vector) erzielen sehr gute Noten in allen Bedingungen
- Bei Sommernässe und Trockenbremsen liegen sie 5–10 % hinter Top-Sommerreifen
- Bei Schnee und Eis sind sie echten Winterreifen leicht unterlegen, aber deutlich sicherer als Sommerreifen
- Budget-Ganzjahresreifen fallen in kritischen Situationen (Schnee, Nässe) oft deutlich ab — hier nicht sparen
Kauftipps: Worauf du achten musst
1. Alpine-Symbol prüfen
Nur Reifen mit dem Bergpiktogramm und Schneeflocke (3PMSF-Symbol) erfüllen die Winterreifenpflicht. Das ist das wichtigste Auswahlkriterium.
2. EU-Reifenlabel beachten
Das EU-Reifenlabel bewertet Kraftstoffeffizienz (A–E), Nasshaftung (A–E) und Rollgeräusch (dB). Ganzjahresreifen haben hier naturbedingt leichte Abzüge — achte besonders auf die Nasshaftungsklasse (mindestens B).
3. Richtige Größe wählen
Die Reifengröße findest du im Fahrzeugschein (Feld 15.1) oder auf dem Aufkleber in der Fahrertür. Niemals eine andere als die zugelassene Größe montieren.
4. Markenqualität zahlt sich aus
Gerade bei Ganzjahresreifen ist der Unterschied zwischen Premium und Budget erheblich. Bewährte Marken: Michelin CrossClimate 2, Continental AllSeasonContact 2, Goodyear Vector 4Seasons, Pirelli Cinturato All Season.
5. Wechselzeitpunkt beachten
Auch Ganzjahresreifen abnutzen sich — bei intensivem Einsatz schneller als Saisonreifen. Prüfe regelmäßig die Profiltiefe.


